Rä Dä Bäng


Seit dem 14. Jahrhundert eröffnen zum Glockenschlag um vier Uhr am Montagmorgen Tausende von Tamboure [Trommlern] und Pfyffer [Pfeifern] der Stadt die Basler Fasnacht. Für drei Tage und Nächte ziehen sich die Basler ihre Laarven [Masken] über; mehr als 20.000 Menschen aller Altersstufen beteiligen sich am gemeinsamen musikalischen Brauch. Die strengen Rhythmen der Märsche fliessen wie Wellen durcheinander, Cliquen [Pfyffer- und Tambouregruppen] tauchen auf und verschwinden wieder in den verwinkelten Gassen der Altstadt.

Zur Geschichte: Der Ursprung der Basler Tamboure und Pfyffer liegt - wie in allen anderen europäsichen Trommelbräuchen auch - in militärgeschichtlichen Vorgängen. Der Basler Trommelstil ist durch eine Vermischung vom Trommeln der eidgenössischen Truppen mit französischen Einflüssen entstanden, da Basel selbst während der Helvetik französische Garnisonsstadt war. Der wichtigste Innovationsschub kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als arbeitslos gewordene, schweizerische und elsässische Tambourmaîtres in der Grenzstadt Basel einen guten Boden für ihre Kunst fanden. Heute marschiert eine Stammclique mit zwanzig bis fünfzig Pfyffer und zehn bis dreissig Tamboure in Dreier- oder Viererreihe. Das Basler Pfeifen und Trommeln zeichnet sich insbesondere durch das für Volksbrauchmusik erstaunlich grosse Repertoire aus: Über zweihundert Kompositionen, von denen ca. hundert allgemein bekannt und um die zwanzig einem durchschnittlichen Tamboure geläufig sind.

Die Basler Fasnacht - ein Fest der Farben und der Fantasie. Ein intimes Stadtfest, das Fremde nie ganz begreifen werden. Hier existieren Offenheit und Enge, Hoffnung und Resignation, Melancholie und Lebenslust, Disziplin und Anarchie dicht nebeneinander. Die Basler Fasnacht spiegelt in spukhaft-ritueller Weise die protestantische Nüchternheit und den alemannischen Todernst des Lebens wider - hinterrücks.

Rä Dä Bäng [drei Streiche/Schläge der Tamboure: Rä, Dä und Bäng] ist die dritte Produktion der HörFilm-Reihe der Winter & Winter Basic Edition. Wie schon auf Venezia La Festa, ¡Tango Vivo! und Noches de Buenos Aires, wurde auch bei dieser Produktion die Musik in ihrem natürlichen Umfeld aufgenommen und belassen. Rein und unverfälscht kommen sie daher, die Tamboure und Pfyffer geleiten uns vom montäglichen Morgestraich, der die Fasnacht eröffnet, über drei Tage bis hin zum letzten, einsam nach Hause ziehenden Pfyffer am frühen Donnerstagmorgen.

Zurück bleibt der ferne Klang der Trommeln und Piccolos, das verblassende Bild vom geheimnisvollen Lichtzauber des Morgenstreichs, von Larvengesichtern mit starren, oft unheimlichen und hohlen Augen, von alten und modernen, aus der Phantasie geborenen Kostümen, die sich zu einem einzigartigen Fest vereinen ... und der Gedanke an die nächste Fasnacht.

 

Was das Fasnachts-Comité rät (entnommen aus dem offiziellen Fasnachts-Programm 1997):

 

Morgenstreich:

Warm anziehen, eher sportlich als elegant. Rechtzeitig da sein. Nach vier Uhr ist schwer durchzukommen. Sich auf ein Gedränge gefasst machen. Wenn möglich, keine Kontaktlinsen tragen.

Strassenfasnacht:

Man darf auch lachen und Spass haben. Lassen Sie sich vom Bierernst der Basler nicht anstecken. Maskierte nicht mit aufgelesenen Konfettis bewerfen. Keine Orangen oder andere Gegenstände zurückwerfen oder aufs Geratewohl ins Publikum schmeissen.

Abends:

Trunkenheit vermeiden. Man gröhlt nicht und man schunkelt nicht. Das Mitgehenlassen von Andenken nicht als Kavaliersdelikt betrachten.

P.S.: Schriftdeutsch für Nichtbasler!

 


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